Die posttraumatische Belastungsstörung tritt als eine verzögerte psychische Reaktion auf ein extrem belastendes Ereignis, eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmaßes auf.
Die erlebten Traumata können von längerer oder kürzerer Dauer sein, wie zum Beispiel schwere Unfälle, Gewaltverbrechen, Naturkatastrophen oder Kriegshandlungen. Die Betroffenen erleben dabei Gefühle wie Angst und Schutzlosigkeit und empfinden in Ermangelung ihrer subjektiven Bewältigungsmöglichkeiten Hilflosigkeit und Kontrollverlust.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine PTBS ist eine verzögerte Reaktion auf ein extrem belastendes Ereignis.
- Typisch sind Wiedererleben (z. B. Flashbacks), Vermeidung und ständige Übererregung.
- Etwa 10 % aller Menschen, die ein Trauma erleben, entwickeln eine PTBS.
- Emotionale Unterstützung und rechtzeitige Psychotherapie helfen am meisten.
Die drei typischen Symptomgruppen
1
Wiedererleben
Typisch für die PTBS sind die sogenannten Symptome des Wiedererlebens, die sich den Betroffenen in Form von Erinnerungen an das Trauma, Tagträumen oder Flashbacks und nachts in Angstträumen aufdrängen.
2
Vermeidung und emotionale Taubheit
Gewissermaßen das Gegenstück dazu sind die Vermeidungssymptome, die meistens parallel zu den Symptomen des Wiedererlebens auftreten: emotionale Stumpfheit, Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit der Umgebung und anderen Menschen gegenüber sowie die aktive Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen können. Manchmal können wichtige Aspekte des dramatischen Erlebnisses nicht mehr vollständig erinnert werden.
3
Übererregung
Häufig kommt ein Zustand vegetativer Übererregtheit dazu, der sich in Form von Schlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, erhöhter Wachsamkeit oder ausgeprägter Schreckhaftigkeit zeigen kann.
Symptome einer PTBS im Alltag
Die Psyche und der Körper von PTBS-Erkrankten befinden sich in ständiger Alarmbereitschaft. Unruhe, Nervosität, Schreckhaftigkeit, aber auch Reizbarkeit und plötzliche Aggressionen sind typische PTBS-Symptome. Auch nachts grübeln die Betroffenen, schlafen stundenlang nicht ein und wachen mehrmals pro Nacht auf.
Betroffene ziehen sich häufig von sozialen Kontakten zurück. Auch innerlich isolieren sich Betroffene, um das Schlimme nicht noch einmal fühlen zu müssen. In einigen Fällen tritt bei Traumatisierten aber auch aggressives Verhalten auf.
Eine posttraumatische Belastungsstörung kann zu erheblichen Einschränkungen im Alltag führen. Wenn Anzeichen erkannt werden, sollte eine mögliche PTBS ärztlich abgeklärt werden.
Wie entsteht eine PTBS?
Die Störung entsteht als eine mögliche Folge auf ein traumatisches Ereignis. Solche Erlebnisse können nahezu jeden Menschen in tiefe Verzweiflung stürzen. Auch durch eine sekundäre Belastung – durch traumatische Ereignisse, die andere, zum Beispiel nahe Angehörige, erlebt haben – können Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung hervorgerufen werden. Die Wahrscheinlichkeit, im Anschluss an ein traumatisches Erlebnis an einer PTBS zu erkranken, ist unter anderem abhängig von der Art des Traumas.
über 50 %
aller Menschen werden im Laufe ihres Lebens mindestens einmal mit einem dramatischen Ereignis konfrontiert.
bis zu 1/3
der Betroffenen erkrankt nach Vergewaltigung, anderen Gewaltverbrechen und Kriegstraumata an einer PTBS.
etwa 10 %
aller von einem Trauma Betroffenen erkranken – über alle Traumaarten ermittelt – an einer PTBS.
etwa 8 %
beträgt weltweit die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens eine PTBS zu entwickeln.
Grundsätzlich ist das Risiko bei durch Menschen hervorgerufenen Traumatisierungen besonders hoch. Naturkatastrophen, Brände, Chemie- oder Verkehrsunfälle und akute körperliche Erkrankungen können ebenfalls eine PTBS auslösen. Das relative Risiko liegt in solchen Fällen jedoch deutlich niedriger.
Was können Betroffene und Angehörige tun?
Für Betroffene
Die emotionale Unterstützung durch Familie, Partner oder Freunde spielt eine wichtige Rolle. Die Betroffenen suchen sich am besten Menschen, die sie emotional stützen und mit denen sie über das belastende Ereignis sprechen können. Wichtig ist, rechtzeitig Hilfe bei einem Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin in Anspruch zu nehmen. Zusätzlich kann es hilfreich sein, sich in einer Selbsthilfegruppe mit anderen Betroffenen auszutauschen.
Für Angehörige
Angehörige sollten die PTBS ernst nehmen und gut zuhören, wenn der Betroffene das Bedürfnis hat, darüber zu reden – auch wenn sich diese Gespräche wiederholen. Hilfreich ist es auch, die Person zu ermuntern, sich eine therapeutische Betreuung zu suchen, oder sie bei der Suche nach einem Therapieplatz zu unterstützen.
Du brauchst jetzt jemanden zum Reden?
Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Im Notfall wähle die 112.
Die komplexe posttraumatische Belastungsstörung
Eine komplexe PTBS entwickelt sich meist als Folge von schweren, anhaltenden oder wiederholten Traumatisierungen. Im Unterschied zur einfachen PTBS treten hier vielfältige, ausgeprägte Beeinträchtigungen im Bereich des Denkens, der Gefühle und der sozialen Beziehungen auf.
Die Symptome einer komplexen PTBS
- Veränderung bei der Regulierung von Gefühlen: zum Beispiel Schwierigkeiten, Gefühle zu steuern, Neigung zu selbstzerstörerischem Verhalten, ausgeprägtes Risikoverhalten
- Veränderung bei Aufmerksamkeit und Bewusstsein: Verlust von Erinnerungen, Neigung zu Dissoziationen
- Veränderung in den Beziehungen zu anderen: anhaltendes Misstrauen, Neigung, selbst wieder in die Opferrolle zu geraten, oder Neigung, andere zum Opfer zu machen
- Veränderung bei der Selbstwahrnehmung und beim Gefühl der eigenen Identität: geringes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, Gefühle, von anderen isoliert zu sein, Vernachlässigung der Selbstfürsorge
- Somatisierungsstörungen (körperliche Symptome mit psychischen Ursachen): zum Beispiel chronische Schmerzen, Symptome im Bereich des Magen-Darm-Trakts, des Herzens oder der Sexualfunktion
- Veränderung der Lebenseinstellung: Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Sinnverlust, Verlust positiver Überzeugungen und Einstellungen
Bücher zum Thema
Fachbuch
Posttraumatische Belastungsstörungen: PTBS und KPTBS
Mareike Augsburger, Andreas Maercker & Anil Batra – ein Leitfaden für die Diagnostik und Behandlung
Ratgeber
PTBS – Umgang mit PTBS und belastenden Symptomen
Psychologie Kompakt – praktische Strategien und Techniken für Betroffene und Angehörige
Ratgeber
Posttraumatische Belastungsstörung – Vom Überleben zu neuem Leben
Pete Walker – ein praktischer Ratgeber zur Überwindung von Kindheitstrauma
Ratgeber
Trauma loslassen, Freude gewinnen
Sebastian Lindenau – Wege zur Verarbeitung von negativen Erlebnissen, Emotionen und Schmerz
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- Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) – Therapie und Praxis
- Posttraumatische Belastungsstörung – Leben mit Flashbacks – Cute aber Psycho – der psychologische Podcast
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